Insekten – von A wie Ameise bis Z wie Zikade

  • Gemeine Blutzikade (Cercopis vulnerata), (c) Frank Aeckersberg/NABU-naturgucker.de
    Gemeine Blutzikade (Cercopis vulnerata), (c) Frank Aeckersberg/NABU-naturgucker.de

Insekten spielen eine entscheidende Rolle in verschiedenen Ökosystemen und erfüllen eine Vielzahl wichtiger Funktionen. Dass sie (nicht nur) in Deutschland zusehends schwinden, belegt unter anderem die im Jahr 2017 veröffentlichte Studie1 des Krefelder Entomologischen Vereins. Sie befasste sich mit dem Rückgang der Insekten-Biomasse in deutschen Naturschutzgebieten. Erfahrungen vieler Naturbeobachtender weisen darauf hin, dass auch außerhalb geschützter Gebiete Insekten immer seltener werden.

Wo der Rückgang besonders stark ist und weshalb die Tiere verschwinden, sind Fragen, an deren Klärung gearbeitet wird. Sicher sagen lässt sich bereits, dass es nicht nur einen Auslöser für den Insektenschwund gibt, sondern ein Zusammenspiel unterschiedlicher Faktoren wie Zerstörung der Lebensräume und Intensivierung der Landwirtschaft mit verstärktem Pestizideinsatz dazu beiträgt. Nicht zu unterschätzen sind zudem die Auswirkungen des Wetters und damit des Klimawandels, wie eine 2023 veröffentlichte Untersuchung2 bestätigt.

Um ein besseres Bild der Situation gewinnen zu können, werden vielfältige Beobachtungsdaten benötigt. NABU|naturgucker führt deshalb gemeinsam mit verschiedenen Partnern Beobachtungsprojekte rund um Insekten durch. Die Dokumentation von Beobachtungen dieser Tiere ist aus mehreren Gründen von Bedeutung. Funddaten liefern wertvolle Hinweise auf die Verbreitung und Häufigkeit von Insektenarten. Werden sie über einen längeren Zeitraum zusammengetragen, können langfristige Trends in den Beständen und in der Vielfalt der Insekten erkannt werden. Darüber hinaus sind Rückschlüsse auf die Lebensweise und das Verhalten dieser Tiere möglich. Und nicht zuletzt helfen solche Beobachtungsprojekte dabei, bei möglichst vielen Menschen die Begeisterung für Insekten zu wecken und so dazu beizutragen, dass mehr für den Schutz dieser Lebewesen getan wird.

Im Folgenden stellen wir unsere Insektenmonitorings vor, an denen Sie sich gern aktiv beteiligen können. Darüber hinaus steht es Ihnen selbstverständlich frei, Ihre Insektenbeobachtungen jederzeit auf NABU-naturgucker.de zu melden.

NABU Insektensommer

Gebänderte Heidelibelle (Sympetrum pedemontanum), (c) Jens Winter/NABU-naturgucker.de
Gebänderte Heidelibelle (Sympetrum pedemontanum), (c) Jens Winter/NABU-naturgucker.de

Der NABU Insektensommer ist eine bundesweite Aktion des → Naturschutzbundes Deutschland (NABU), die seit 2018 jährlich stattfindet. Von Beginn an ist NABU|naturgucker der Partner dieses Mitmachprojekts. Ziel der Aktion ist es, die Öffentlichkeit für die Bedeutung von Insekten zu sensibilisieren und Daten über die Häufigkeit und Verbreitung dieser Tiere in Deutschland zu sammeln.

Es gibt pro Jahr zwei Zählzeiträume: einen im Frühsommer und einen im Spätsommer. Dadurch gelingt es, ein breites Artenspektrum zu berücksichtigen, angefangen mit den eher frühen Arten wie die Gemeine Blutzikade bis zu den erst später im Sommer als erwachsene Individuen aktiven Heuschrecken.

Nächste Insektensommer-Meldezeiträume
Mitmachen können Sie vom 31. Mai bis 9. Juni 2024 und vom 2. bis 11. August 2024. Über weitere Termine informieren wir Sie rechtzeitig.

Geeignete Orte fürs Beobachten sind zum Beispiel Balkone, Gärten, Parks, Wiesen, Waldränder und andere naturnahe Lebensräume. Am besten lassen sich die meisten Insekten an trockenen, eher windstillen und warmen, aber nicht zu heißen Tagen beobachten. Suchen Sie sich zum Zählen einen Standort, von dem aus Sie im Umkreis von etwa zehn Metern Insekten beobachten können. Notieren Sie während einer Stunde alle Arten, die Sie in diesem kleinen Gebiet finden können. Weitere Hintergrundinformationen und Tipps zur Zählung gibt es auf der → Projektseite des NABU.

Seit Jahren erfolgreich im Einsatz: die Web-App NABU Insektensommer

Melden können Sie Ihre Sichtungen auf NABU-naturgucker.de. Besonders einfach geht es mit der kostenlosen → Web-App NABU Insektensommer. Sie lässt sich auf allen Geräten vom Smartphone übers Tablet bis zum Desktop-Computer per Browser aufrufen und muss nicht installiert werden. Zum Hochladen von Insektenbeobachtungsdaten und dazu gehörenden Fotos ist eine bestehende Internetverbindung erforderlich.

Unsere Web-App enthält außerdem bebilderte Porträts von 500 in Deutschland häufig beobachteten Insektenarten, -gattungen und -familien. Sie helfen Ihnen dabei, Ihr Artenwissen über Insekten auf- und auszubauen. Eine in die Web-App integrierte Erkennungshilfe unterstützt Sie beim Bestimmen der von Ihnen fotografierten Insekten.

Falls Sie Gefallen an der Insektenbeobachtung gefunden haben, was wir sehr hoffen, können Sie die Web-App übrigens das ganze Jahr über verwenden.

Unterstützung für die Bedienung der Web-App finden Sie → hier.

Stadtinsekten unterstützen und beobachten

Logo Stadtinsekten

Wer dem Insektenschwund nicht nur tatenlos zusehen, sondern stattdessen aktiv an der Verbesserung der Situation mitwirken möchte, hat verschiedene Möglichkeiten. Falls Sie einen Balkon oder Garten insektenfreundlich gestalten möchten, setzen Sie überall konsequent auf heimische Wildpflanzen. Diese bieten den hierzulande vorkommenden Insekten Nahrung und Lebensraum, was für viele exotische Gewächse leider nicht gilt.

Außerdem können Sie dabei helfen, Informationen über das aktuelle Vorkommen der Insektenarten und ihre Beziehungen zu Pflanzen in Ihrer Gegend zusammenzutragen. Je mehr über die Insektenbestände und über die von ihnen besuchten Pflanzen bekannt ist, desto mehr profitieren Naturschutz und Forschung von diesen Daten. Für Sie ist das Beobachten der Pflanzen und vor allem der Sechsbeiner gleichzeitig ein Gewinn. Denn lässt man sich auf eine intensive Beschäftigung mit der Natur ein, offenbaren sich ihre erstaunliche Vielfalt sowie spannende Vernetzungen der Arten untereinander. Hinzu kommen interessante Einblicke in das Leben und Verhalten der Insekten.

Wussten Sie zum Beispiel, dass Hummeln ein Bein heben, um zu signalisieren, dass sie sich bedroht fühlen? Oder dass einige Schmetterlingsraupen sich aufrichten und durch das Vorgaukeln von Größe potenzielle Feinde abzuschrecken versuchen? Beeindruckend ist auch die Fürsorge weiblicher Fleckiger Brutwanzen. Sie stellen sich wochenlang schützend über ihr Gelege und die frisch geschlüpften Jungtiere, ohne Nahrung zu sich zu nehmen. Erst wenn diese sich einmal gehäutet haben und ihr Körper ausgehärtet ist, endet diese aufopfernde Brutfürsorge.

Sichtungen beim Beobachtungsprojekt melden

Logoleiste Projekt Stadtinsekten
Startseite der Web-App Stadtinsekten

Das Citizen-Science-Projekt Stadtinsekten, hinter dem → NaturGarten e. V. und NABU|naturgucker als Partner stehen, bietet Ihnen eine unkomplizierte Möglichkeit zum Melden all Ihrer Sichtungen: Sie können sämtliche Insekten und von diesen Tieren besuchten Pflanzen, die Sie auf einem Balkon, im Garten, im öffentlichen Grün oder auf einem Gründach gesehen und fotografiert haben, auf NABU-naturgucker.de melden.

Rufen Sie dafür einfach die Web-App → Stadtinsekten auf, das geht entweder per Smartphone, Tablet, Laptop oder Desktop-Computer. Diese kostenlos nutzbare Web-App muss nicht auf Ihrem Gerät installiert werden. Sie ermöglicht es Ihnen, die Beobachtungen inklusive Fotos einzugeben, Beobachtungen anderer Teilnehmender anzusehen und Insekten anhand von Fotos mittels einer Erkennungshilfe zu bestimmen. Um diese Funktionen nutzen zu können, ist eine bestehende Internetverbindung erforderlich. Ergänzend finden Sie in der Web-App rund 500 bebilderte Artporträts von Stadtinsekten, die jede Menge spannender Details aus dem Leben der Tiere vermitteln und mit denen Sie Ihre Artenkenntnisse auf- und ausbauen können.

Gern können Sie neben aktuellen Funden auch ältere Sichtungen auf NABU-naturgucker.de melden. Dadurch tragen Sie dazu bei, dass wir die Netzwerke von Fauna und Flora sichtbarer machen. Nur so lässt sich in Erfahrung bringen, wie sich effektiver Artenschutz im Siedlungsraum betreiben lässt.

Falls Sie Unterstützung bei der Bedienung unserer Web-App benötigen, finden Sie → hier die entsprechenden Hilfetexte.

Projektlaufzeit

Das Beobachtungsprojekt Stadtinsekten findet ganzjährig statt. Die besten Chancen auf Beobachtungen von Insekten bieten sich meist ab Februar oder März bis in den Oktober bzw. November. Im Dezember und Januar sind nur sehr wenige Insekten aktiv, doch selbst im Winter kann es vorkommen, dass Ihnen vereinzelt Tiere aus dieser Organismengruppe begegnen.

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Asiatische Hornisse (Vespa velutina)

Asiatische Hornisse (Vespa velutina), (c) Harald Bott/NABU-naturgucker.de
Asiatische Hornisse (Vespa velutina), (c) Harald Bott/NABU-naturgucker.de

Die Ausbreitung der in Deutschland als invasiv geltende Asiatische Hornisse steht Bundesweit unter Beobachtung. Sichtungen zu melden, ist sehr wichtig – insbesondere dann, wenn es sich um Beobachtungen von Nestern handelt. In Deutschland fliegt die Asiatische Hornisse meist von Mai bis Oktober oder November. Außerhalb dieses Zeitraumes lassen sich die Nester beobachten. Deshalb läuft das Beobachtungsprojekt ganzjährig. Ausführliche Informationen über unser Monitoring finden Sie → hier.

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Frühe Falter

Trauermantel (Nymphalis antiopa), (c) Wolfgang Gordziel/NABU-naturgucker.de
Trauermantel (Nymphalis antiopa), (c) Wolfgang Gordziel/NABU-naturgucker.de

Wann und wo fliegen die ersten Schmetterlinge eines Jahres? Wie groß ist ihre Zahl? Treten sie kontinuierlich auf oder wird ihr Flug durch Kälteeinbrüche merklich unterbrochen? Diesen und weiteren Fragen geht unser im Spätwinter und Frühling stattfindendes Meldeprojekt „Frühe Falter“ auf den Grund. → Erfahren Sie mehr …

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Hummeln & Co.

Steinhummel (Bombus lapidarius), (c) Stella Mielke/NABU-naturgucker.de
Steinhummel (Bombus lapidarius), (c) Stella Mielke/NABU-naturgucker.de

Vom Flug der ersten Königinnen im Spätwinter über das Auftreten erster Arbeiterinnen bis hin zum Flug der Männchen und später im Jahr der Jungköniginnen, die überwintern werden, lässt sich viel aus dem Leben der Hummeln dokumentieren. Informieren Sie sich jetzt über unser fast ganzjährig durchgeführtes → Beobachtungsprojekt „Hummeln & Co.“.

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Schmetterlinge in Nordrhein-Westfalen beobachten

Großer Schillerfalter, (c) Heidrun Burchard/NABU-naturgucker.de
Großer Schillerfalter, (c) Heidrun Burchard/NABU-naturgucker.de

Der → NABU NRW hat im Jahr 2016 ein Projekt ins Leben gerufen, bei dem es um das Beobachten und Zählen von Schmetterlingen geht. NABU|naturgucker ist seit vielen Jahren Partner dieser jährlich vom 15. Juni bis 15. Juli stattfindenden Mitmachaktion namens „Mehr Platz für Falter – Jetzt wird´s bunt!“; anfangs hieß sie noch „Zeit der Schmetterlinge“.

Auf der → Projektwebseite stellt der NABU NRW in der Rubrik „Wissenswertes“ rund 50 Tagfalterarten sowie 24 tagaktive Nachtfalterarten in Porträts vor, was beim Erkennen und Bestimmen der Tiere helfen soll.

Hinweis: Falls Sie nicht in Nordrhein-Westfalen leben, aber trotzdem gern Schmetterlinge beobachten und Ihre Sichtungen dokumentieren möchten, steht Ihnen NABU-naturgucker.de dafür ganzjährig zur Verfügung.

  1. Hallmann et al. (2017): More than 75 percent decline over 27 years in total flying insect biomass in protected areas. PLoS ONE
    12. DOI: → 10.1371/journal.pone.0185809 ↩︎
  2. Müller et al. (2023): Weather explains the decline and rise of insect biomass over 34 years. nature. DOI: → 10.1038/s41586-023-06402-z ↩︎