Beobachtungsprojekt Salamanderpest (Bsal)

  • Feuersalamander mit für Bsal typischen Hautläsionen, (c) Tobias Rautenberg
    Feuersalamander mit für Bsal typischen Hautläsionen, (c) Tobias Rautenberg

Der Pilz Batrachochytrium salamandrivorans, kurz Bsal, befällt die Haut von Amphibien, siehe → Factsheet Neomyceten. Für jene Tiere, die den Pilz nicht nur tragen, sondern durch ihn erkranken, ist Bsal häufig überaus gefährlich. In Mitteleuropa stellt er vor allem für → Feuersalamander (Salamandra salamandra) eine tödliche Bedrohung dar.

Ursprünglich liegt die Heimat dieser Pilzart in Asien, wo verschiedene Arten von Schwanzlurchen von ihr befallen werden. Anders als die europäischen Tiere, deren Immunsystem bislang teils nur sehr schlecht mit dem Erreger zurechtkommt, sterben die asiatischen Amphibien aufgrund ihrer natürlichen Abwehrstrategien infolge einer solchen Pilzinfektion normalerweise nicht.

Auftreten von Bsal in Europa

Sehr wahrscheinlich ist der Chytridpilz durch den internationalen Tierhandel für die Terrarienhaltung ungewollt nach Europa gebracht worden. Hier ist er durch infiziertes Material (Erde, Wasser) oder ausgesetzte infizierte Tiere in die freie Natur gelangt. Wann er auf unserem Kontinent erstmals in wild lebende Schwanzlurch-Populationen eingeschleppt wurde, ist nicht bekannt.

Entdeckt wurde der Pilz 2008 in den Niederlanden durch auffällige Bestandseinbrüche bei den Feuersalamandern. Erstmals wissenschaftlich beschrieben wurden massive Rückgänge der Populationen dieser Tiere erst 2013 in Belgien. In den Folgejahren breitete sich der Pilz in den Niederlanden und Belgien weiter aus und er erreichte auch Deutschland.

2015 wurden Fälle aus der nördlichen Eifel bekannt und schon 2017 gab es den ersten Fund im Ruhrgebiet. Dort hat sich der Pilz in der darauf folgenden Zeit erschreckend schnell verbreitet. Mutmaßlich wegen des Hautpilzes war beispielsweise im Stadtwald Essen um 2018/2019 herum die gesamte Feuersalamander-Population verschwunden, siehe → Beitrag in der WELT vom 28. Januar 2020.

Im Jahr 2017 wurden Proben von seit 2004 konservierten Totfunden aus der Nordeifel untersucht. Wie sich dabei herausstellte, waren diese Feuersalamander bereits an Bsal verstorben. Demnach gibt es diesen Pilz offenbar schon erheblich länger auf unserem Kontinent in freier Natur, als zunächst angenommen wurde. Er ist lediglich vor 2008 draußen nicht bemerkt worden. Bsal wurde darüber hinaus in mehreren Gefangenschaftszuchten nachgewiesen.

Betroffene europäische Amphibienarten

Besonders für den Feuersalamander ist eine Infektion äußerst problematisch und gefährlich. Zahllose dieser Tiere sind in Deutschland bisher infolge einer Bsal-Infektion gestorben. → Bergmolche (Ichthyosaura alpestris) und → Teichmolche (Lissotriton vulgaris) können ebenfalls daran erkranken. Bei ihnen ist die Sterblichkeit jedoch abhängig von der Befallsrate, so dass sie sich bei einem schwachen Befall nach mehrmaliger Häutung zumindest im Labor davon befreien konnten. Unter unseren weiteren heimischen Molcharten konnten → gemäß einer Veröffentlichung aus dem Jahr 2016 keine Erkrankungsfälle nachgewiesen werden. Sie könnten aber trotzdem Träger und Verbreiter der Pilzinfektion sein. Ferner können Frösche, Kröten und Unken den Pilz tragen, ohne selbst zu erkranken.

Äußerlich lässt sich die Erkrankung für gewöhnlich anhand von Hautschädigungen – Fachleute sprechen von Hautläsionen – erkennen. Der Pilz greift die Haut der Amphibien an und zerstört deren Funktion. Diese Hautläsionen treten in der Regel erst in einem recht späten Infektionsstadium auf, so dass sogar ein gesund erscheinendes Tier infiziert sein kann. Verhaltensauffälligkeiten wie Lethargie oder Fressunlust sind weitere mögliche Anzeichen einer solchen Erkrankung.

Sehr rasch ist das Voranschreiten bei Feuersalamandern. Typischerweise führt eine Bsal-Erkrankung bei diesen Tieren innerhalb von zwei bis drei Wochen zum Tod.

Was gegen Bsal unternommen wird

Bsal-Hinweisschild aus Bochum, zum Vergrößern bitte anklicken, (c) Gaby Schulemann-Maier
Bsal-Hinweisschild aus Bochum, zum Vergrößern bitte anklicken, (c) Gaby Schulemann-Maier

Ein Projektteam arbeitet derzeit an mehreren Fronten: Einerseits wird dokumentiert, welche Populationen momentan von Bsal befallen sind und welches Verbreitungspotenzial dieser Pilz besitzt. Andererseits wird nach effektiven Maßnahmen im Kampf gegen die Ausbreitung von Bsal gesucht.

In Gefangenschaft gehaltene Tiere lassen sich durch eine Wärmebehandlung (Unterbringung bei 25 °C für 10 Tage) von diesem Pilz befreien. Den im Freiland lebenden Amphibien kann auf diese Weise nicht geholfen werden. Derzeit gilt die Erhaltungszucht des Feuersalamanders in Gefangenschaft als sinnvoll, um wild lebende Bestände langfristig zu sichern. Die nachgezüchteten Tiere können und sollen später ausgewildert werden.

Allerdings muss zuvor geklärt worden sein, wie sie vor einer Infektion geschützt werden können. Denn die Sporen des Bsal-Pilzes befinden sich draußen im Wasser, im Boden und wahrscheinlich auch auf der Vegetation. Darüber hinaus sind nicht erkrankte Frösche, Kröten und Unken potenzielle Überträger. Kämen die nachgezüchteten und in die Natur entlassenen Feuersalamander mit den Sporen in Berührung, könnten sie sich infizieren, was alle Rettungsversuche zunichtemachen würde.

Eine weitere wichtige Maßnahme, die zurzeit vielerorts umgesetzt wird, ist die Aufklärung der Bevölkerung, zum Beispiel mit Hinweisschildern. Indem Menschen oder Hunde durch Infektionsgebiete laufen, könnten sie durch Schlammreste an den Schuhen oder Füßen beziehungsweise an Fahrradreifen die Pilzsporen in andere, bislang nicht betroffene Gebiete verschleppen. Dagegen hilft ein striktes Hygienekonzept. Wildtiere wie Füchse oder Wildschweine können indes nicht in diese Hygienemaßnahmen mit einbezogen werden und stellen weiterhin potenzielle Überträger dar.

So können Sie helfen

Durch das Melden Ihrer Beobachtungen, die durch Fotos oder Videos belegt sind, können Sie dabei helfen, den derzeitigen Infektionsstatus unserer heimischen Feuersalamander zu ermitteln. Wenn Sie lebende oder tote Feuersalamander sehen, fotografieren oder filmen Sie die Tiere aus unterschiedlichen Perspektiven, aber ohne sie mit bloßen Händen zu berühren. Tote Tiere können Sie mithilfe eines Astes umdrehen, lebende Tiere sollten Sie gar nicht stören oder berühren.

Laden Sie Ihre Fotos oder Videos mit einer Sichtungsmeldung anschließend auf → NABU-naturgucker.de hoch. Jedes Bild oder Video kann helfen, ganz gleich, ob Feuersalamander mit oder ohne Hautläsionen zu sehen sind. Forschende der Universitäten Trier und Braunschweig sowie die Teams der Biologischen Stationen der Städteregion Aachen und des Kreises Düren können das Bildmaterial und die Videos später auswerten.

Da auch wir Menschen sogenannte Vektoren darstellen und Bsal-Sporen potenziell weitertragen können, möchten wir Sie zudem bitten, nach einem Aufenthalt in Amphibien- bzw. Feuersalamander-Lebensräumen sicherheitshalber Ihre Schuhe und/oder Fahrradreifen zu desinfizieren. Möglich ist dies beispielsweise mit mindestens 70%igem Alkohol wie Brennspiritus oder mindestens 1%iger Virkon-S-Lösung.

Hinweis: Bitte melden Sie Tiere mit auffälligen Hautläsionen unbedingt zusätzlich sofort an die Forschenden, damit sie möglichst rasch darauf reagieren können, sofern sie dies für erforderlich halten. Mehr Informationen zur Bsal-Hotline finden Sie auf der → Webseite der Universität Trier.

Beobachtungszeitraum

Dieses Beobachtungsprojekt findet ganzjährig und bundesweit statt.

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