Hummeln & Co.

  • Ackerhummel (Bombus pascuorum), (c) Kathrin Middelhoff/NABU-naturgucker.de

Wenn Sie Anfang März Ihre erste Hummel des Jahres sichten, dann steht eine erstaunliche Wiedergeburt bevor. Es handelt sich um eine junge Hummelkönigin auf der Suche nach einem geeigneten Nistplatz. Hat sie ihn gefunden, wird aus den befruchteten Eiern der Königin ein ganzer Hummelstaat für die Dauer eines Sommers neu entstehen und im Herbst wieder vergehen. Bis auf die neuen befruchteten Königinnen, die den Winter im Schlaf überdauern und das nächste Frühjahr mit der Nistplatzsuche beginnen werden.

Hummeln haben nicht nur einen faszinierenden Lebenszyklus, sie gehören auch zu den wichtigsten Bestäubern. Durch ihre lange Zunge und das sogenannte Vibrationssammeln erreichen und bestäuben sie auch besonders tiefe Blüten. Damit leisten sie unschätzbare Dienste für unsere Ökosysteme.

Allerdings sind Hummeln durch Lebensraumverlust in arger Bedrängnis. Das Abmähen blühender Flächen, Insektizideinsatz und Monokulturen im Rahmen unserer modernen Landwirtschaft führen zu einem regelrechten Artensterben. Helfen Sie mit, die dynamischen Bestandsentwicklungen im Blick zu behalten und melden Sie uns ihre Hummelbeobachtungen! Nutzen Sie dafür gern unsere kostenlose Web-App, → siehe Beschreibung.

Beobachtungen melden und Arten erkennen

Unser Beobachtungsprojekt zu Hummeln bietet Ihnen die Möglichkeit, auf unkomplizierte Weise Daten für die Erforschung der Bestandsentwicklung und des zeitlichen Auftretens der Projekt-Zielarten zu sammeln. Wenn Sie die gesichtete Hummel nicht sicher einer Art zuordnen können, dann melden Sie gerne „Hummel unbestimmt“. Auch diese Information hilft, Daten über die Bestände von Hummeln zu sammeln. Als Hilfestellung finden Sie in der → Web-App Porträts von 14 ausgewählten Zielarten bzw. Verwechslungsarten.

Unsere Web-App ist kostenlos nutzbar und Sie brauchen sie nicht auf Ihrem Smartphone zu installieren. Sie können sie ganz unkompliziert per Browser aufrufen, wann immer Sie sie benötigen. Außerdem kann die Web-App genauso gut auf Tablets, Laptops, Windows-PCs und Macs verwendet werden. Mit der Web-App können Sie Ihre Beobachtungen melden, ohne sich auf NABU-naturgucker.de registrieren zu müssen.

Teilen Sie möglichst alle Sichtungen zu den Zielarten mit, also gern zu unterschiedlichen Zeitpunkten gewonnene Beobachtungsdaten. Fotos der beobachteten Tiere sind immer willkommen!

Versehen Sie Ihre Beobachtungsmeldungen mit möglichst genauen Angaben zu Anzahl und zu den Aktivitäten der Tiere (ruhend, Blüten besuchend etc.). Wenn es möglich ist, melden Sie bitte in der Web-App unter „Weitere Arten“ auch die Pflanzenarten, an denen Sie die Hummeln beobachtet haben. Sichtungen anderer Tiere sowie Pilze können Sie selbstverständlich ebenfalls mit der Web-App dokumentieren.

Tipps zur Technik

Am besten läuft die Web-App im Browser Chrome. In anderen Browsern kann es zu längeren Ladezeiten etc. kommen. Nach einiger Zeit (meist ca. 15 Minuten) der Nichtbenutzung wird die Serversitzung automatisch beendet. Um die Web-App weiter verwenden zu können, laden Sie sie noch einmal neu.

Falls Sie Hilfe bei der Bedienung der Web-App benötigen, besuchen Sie bitte unsere → Hilfeseiten.

Erste Hummeln sind in milden Wintern bereits im Februar zu beobachten und letzte bei passender Witterung bis in den November hinein. Die Haupt-Beobachtungszeit für unsere Meldeaktion liegt dazwischen im Zeitraum von April (04) bis Oktober (10).

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Beginn des Hummeljahres

Hummeln gehören wie die Honigbienen zu den Stechimmen (Aculeata). So sind die Erdhummeln (Bombus sp.) die ersten Bienen des Jahres, die fliegen. Bereits Anfang März erwachen die Jungköniginnen aus dem Winterschlaf und begeben sich auf die Suche nach einem Nistplatz. In dieser Zeit sieht man vereinzelte Hummeln umherfliegen und Totholzhaufen, Steinspalten, Mauselöcher oder gar Vogelnester und Hausisolierungen eingehend inspizieren. Dafür und für die Gründung des neuen Hummelstaates benötigen sie viel Energie. Diese holen sie sich an früh blühenden Pflanzen. Eine Win-win-Situation: Die Frühblüher wiederum sind für ihre Bestäubung auf diese kältetoleranten Insekten angewiesen.

Für die im Vorfrühling oft noch frostigen Temperaturen besitzen Hummeln die richtige Ausstattung: Ihr Pelz sieht nicht nur kuschelig aus, er packt das Tier auch tatsächlich warm ein. Dazu kommen kräftige Brustmuskeln, die die Hummeln schnell vibrieren lassen und sich damit „warmschütteln“ können.

Lebenszyklus des Hummelstaates

Hat die Hummelkönigin einen geeigneten Nistplatz gefunden, so baut sie ihre erste Wabe. Hier legt sie sechs bis acht der im Vorjahr befruchteten Eier und versorgt die schlüpfenden Larven mit Pollen. Diese ersten Nachkommen entwickeln sich zu Arbeiterinnen, die der Königin nach und nach den Nestbau, die Brutpflege und die Nestverteidigung abnehmen. Je nach Art wächst ein Nest so auf eine Größe zwischen 50 bis zu einigen Hundert Arbeiterinnen heran. 

Der nächste Schritt im Lebenszyklus eines Hummelstaates ist die Anzucht der Geschlechtstiere, die im Sommer beginnt. Gezielt legt die Königin nun unbefruchtete Eier, die sich zu Männchen (Drohnen) entwickeln. Befruchtete Eier entwickeln sich zur nächsten Generation Königinnen – das heißt zu besonders großen Weibchen, die im Unterschied zu den Arbeiterinnen begattungsfähig sind. Nachdem diese sogenannten Vollweibchen sich verpaart haben, überwintern sie befruchtet in einem Quartier in lockerer Erde oder tiefen Moosschichten, während das restliche Volk inklusive der alten Königin langsam abstirbt und das Nest zerfällt.

Wenn im nächsten Frühjahr die Jungköniginnen aus dem Winterschlaf erwachen, beginnt der Zyklus des Hummelstaates von Neuem.

Ökologische Bedeutung 

Angefangen von den Jungköniginnen über die Arbeiterinnen bis zur nächsten Generation befruchteter Königinnen: Vom frühen Frühjahr bis in den späten Herbst besuchen Hummeln eine Vielzahl verschiedener Blüten. Während z. B. Honigbienen erst ab 10 °C fliegen, sind Hummeln bereits bei weit niedrigeren Temperaturen aktiv. Nicht nur deswegen spielen sie als Bestäuber eine wichtige Rolle. Sie können außerdem besonders gut tiefe Blüten bestäuben. Das liegt an der langen Zunge vieler Hummelarten und einer weiteren Spezialfähigkeit: dem Vibrationssammeln. Dabei schütteln Hummeln durch Vibrationen, die sie mithilfe ihrer Flugmuskeln erzeugen, den Blütenstaub aus den Staubbeuteln heraus.

Da die verschiedenen Arten über unterschiedliche Saugwerkzeuge verfügen, bestäuben Hummeln insgesamt eine große Bandbreite an Blüten. Um die Artenvielfalt der Hummeln zu erhalten bedarf es daher auch artenreicher Blühlandschaften. Ein → hummelfreundlicher Balkon oder Garten kann dazu beitragen!

Hummeln in Bedrängnis

Es gibt in Deutschland rund 30 Hummelarten, von denen viele inzwischen auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten zu finden sind. Hauptgrund hierfür ist die Intensivierung unserer Landwirtschaft, die für Hummeln und andere Tierarten Lebensraumverlust bedeutet. Der Schwund an artenreich blühenden Flächen und Hecken zugunsten von Monokulturen führt dazu, dass viele auf bestimmte Pflanzen spezialisierte Arten keine Nahrung und keinen Unterschlupf mehr finden. Oder sie sterben direkt durch den Einsatz von Insektiziden.

Wir wollen mit Ihrer Hilfe die Bestandsentwicklungen und die Artenvielfalt unter den Hummeln im Blick behalten. Jede Hummel, die fliegt, ist eine gute Nachricht für die biologische Vielfalt. Melden Sie Ihre Sichtungen jetzt in der → Web-App!

Ihr Artenwissen vergrößern bei der NABU|naturgucker-Akademie
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