Beobachtungsprojekt Frühe Falter

  • Admiral (Vanessa atalanta), (c) Hans Schmitt/NABU-naturgucker.de
    Admiral (Vanessa atalanta), (c) Hans Schmitt/NABU-naturgucker.de

Manche Tagfalterarten sind schon sehr früh im Jahr aktiv. Als fliegende Farbtupfer in einer fast noch winterlichen Landschaft fallen sie leicht ins Auge und bieten sich zur gezielten Beobachtung nicht nur für Schmetterlingskenner*innen an. Da Schmetterlinge sehr sensibel auf Veränderungen ihrer Umweltbedingungen reagieren, gelten sie als wichtige Anzeiger-Arten für den Zustand von Ökosystemen. Helfen Sie uns, Beobachtungsdaten zu sammeln und die Entwicklungen in den Lebensräumen im Blick zu behalten!

Unser Beobachtungsprojekt „Frühe Falter“ bietet Ihnen die Möglichkeit, auf unkomplizierte Weise Daten für die Erforschung der Bestandsentwicklung und des zeitlichen Auftretens der Projekt-Zielarten zu sammeln. Diese Schmetterlinge zu erkennen, dürfte relativ leicht sein. Denn so früh im Jahr fliegen kaum andere Schmetterlingsarten, was mit einem geringen Verwechslungspotenzial einhergeht. Als Hilfestellung finden Sie → hier und in der → Web-App Porträts der ausgewählten Zielarten.

Unsere Web-App ist kostenlos nutzbar und Sie brauchen sie nicht auf Ihrem Smartphone zu installieren. Sie können sie ganz unkompliziert per Browser aufrufen, wann immer Sie sie benötigen. Außerdem kann die Web-App genauso gut auf Tablets, Laptops, Windows-PCs und Macs verwendet werden. Mit der Web-App können Sie Ihre Beobachtungen melden, ohne sich auf NABU-naturgucker.de registrieren zu müssen.

Teilen Sie möglichst alle Sichtungen zu den Zielarten mit, also gern zu unterschiedlichen Zeitpunkten gewonnene Beobachtungsdaten. Fotos der beobachteten Tiere sind immer willkommen!

Tipp: Gern können Sie Fotos anderer Tiere, Pflanzen und Pilze hochladen – auch solche, die Sie nicht selbst bestimmen können. Sie können beim Hochladen ein Häkchen an der entsprechenden Stelle setzen und so die Aktiven der Gemeinschaft von NABU-naturgucker.de → um Bestimmungshilfe bitten. Probieren Sie es aus!

Versehen Sie Ihre Beobachtungsmeldungen mit möglichst genauen Angaben zu Anzahl und zu den Aktivitäten der Tiere (ruhend, Blüten besuchend etc.). Wenn es möglich ist, melden Sie bitte in der Web-App unter „Weitere Arten“ auch die Pflanzenarten, an denen Sie die Falter beobachtet haben.

Tipps zur Technik

Am besten läuft die Web-App im Browser Chrome. In anderen Browsern kann es zu längeren Ladezeiten etc. kommen. Nach einiger Zeit (meist ca. 15 Minuten) der Nichtbenutzung wird die Serversitzung automatisch beendet. Um die Web-App weiter verwenden zu können, laden Sie sie noch einmal neu.

Falls Sie Hilfe bei der Bedienung der Web-App benötigen, besuchen Sie bitte unsere → Hilfeseiten.

Unser Beobachtungsprojekt „Frühe Falter“ hat seinen zeitlichen Schwerpunkt von 03 bis 04, also von März bis April. Je nach Witterungsverhältnissen eines Jahres kann es bereits im Monat 02 (Februar) beginnen und sich bis in den Monat 05 (Mai) erstrecken.

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Viele unserer heimischen Schmetterlinge sind in jedem Stadium ihrer faszinierenden Entwicklung (Ei, Raupe, Puppe, Falter) an sehr spezifische Umweltbedingungen gebunden. Für die Eiablage und als Nahrungsquelle für die Raupen ist beispielsweise das Vorkommen bestimmter Pflanzenarten unabdingbar.

Bei der Überwinterung in Mitteleuropa verfolgen als wechselwarme Tiere nicht alle Tagfalter dieselbe Strategie. Diese häufig harte Phase kann als Ei, als Raupe, als Puppe oder als erwachsenes Insekt (Imago), also als Schmetterling überdauert werden. Dieser komplizierte Lebensprozess reagiert relativ sensibel auf vergleichsweise geringe Veränderungen der Umweltbedingungen. Aufgrund der vielfältigen Änderungen, die sich in den vergangenen Jahrzehnten ereignet haben, sind manche Schmetterlingsarten in Deutschland sehr selten geworden oder gar bereits völlig verschwunden.

Weil viele von ihnen sehr sensibel auf sich wandelnde Umweltbedingungen reagieren, gelten Schmetterlinge als herausragende Bioindikatoren. Werden sie in einem Lebensraum beobachtet oder eben nicht mehr, lässt dies direkte Rückschlüsse auf die ökologische Qualität und die Umweltbedingungen jener Umgebung zu. Je nach Falterart und Stabilität der Populationen können durch das Beobachten der Tiere deshalb Erkenntnisse im Hinblick auf das Funktionieren bzw. die Beeinträchtigung relevanter Ökosysteme und deren Vernetzung gewonnen werden. Veränderungen des Klimas lassen sich beispielsweise am geänderten Flugzeit- oder Überwinterungsverhalten ablesen.

Durch langfristige Schmetterlingsbeobachtungen sowie deren systematische Erfassung und vergleichende Auswertung über Jahre hinweg lassen sich diese Veränderungen sichtbar machen. Hier setzt unser Beobachtungsprojekt „Frühe Falter“ an, mit dem wir nicht nur Schmetterlingsbegeisterte, sondern alle Naturinteressierten gezielt ansprechen möchten. Wer zum Beobachten der Natur draußen ist und sich vielleicht eigentlich auf Vögel oder Pflanzen konzentriert, nimmt vermutlich trotzdem den einen oder anderen früh im Jahr fliegenden Falter wahr.

Auf die Schmetterlinge zu achten, hat nicht nur seinen eigenen Reiz, sondern kann in vielen Fällen darüber hinaus dabei helfen, die Bedeutung dieser Tiere und ihrer Lebensräume als Nahrungsgrundlage anderer Tiere, darunter die Vögel, besser kennenzulernen. So ist es etwa wichtig, die durch den Klimawandel bedingten Veränderungen von Flug- und Raupenzeiten der Schmetterlinge in Europa in ihren Wirkungen auf die Jungenaufzucht der Vögel, vor allem der Zugvögel, genauer zu erforschen.

Artenauswahl

Den sieben Arten dieses Projekts ist gemein, dass sie alle sehr früh im Jahr als erwachsene Individuen aktiv sind. Wie ist das möglich? Sechs dieser Spezies überwintern als erwachsene Falter, eine Art als Puppe. Aus diesen Puppen schlüpfen im Frühling die Schmetterlinge. Wie die Überwinterer können sie entsprechend früh im Jahresverlauf draußen angetroffen werden.

Etliche Beobachtungsprojekte konzentrieren sich auf seltene Arten. Das ist in diesem Fall anders, denn bisher sind die meisten unserer Zielarten in Deutschland noch weit verbreitet und häufig. Wir möchten es aber gern etwas genauer wissen.

Mehrere der für das Beobachtungsprojekt (Monitoring) „Frühe Falter“ ausgewählten Schmetterlingsarten kann man aufgrund ihres verbreiteten Vorkommens zwar gegenwärtig noch in die Kategorie Allerweltsarten einordnen. Aber es ist beachtenswert, dass die ehemalige rheinland-pfälzische Umweltministerin Ulrike Höfken bereits im April 2014 mit Sorge berichtete: „Zitronenfalter, Kleiner Fuchs und Admiral werden immer seltener.“ Daher beziehen wir diese drei Arten in das Projekt ein, um die weitere Entwicklung mit Ihrer Hilfe genauer zu dokumentieren und zu analysieren.

Der Aurorafalter ist eine weitere der sieben Zielarten. Diese Spezies hat im Zuge der intensivierten Industrialisierung der Landwirtschaft und der Umwandlung von Wiesen in Ackerland in Mitteleuropa bereits viele Biotope verloren. Obwohl damit die Bestände mancherorts deutlich zurückgegangen sind, gilt der Aurorafalter bislang noch nicht als gefährdet. Aus unserer Sicht ist es wichtig, die Bestandsentwicklung kritisch im Blick zu behalten.

Mit dem Trauermantel haben wir eine Art ausgewählt, die in Deutschland noch in den 1950er-Jahren recht weit verbreitet war, aber seitdem nur noch regional und vereinzelt erscheint. Über die Ursachen wird in der Wissenschaft noch diskutiert. Gerade aus diesem Grunde sind die Dokumentation und die fortgesetzte Analyse der Entwicklung wichtig.

Anfang 2020 wurde das ursprünglich nur fünf Arten umfassende Monitoring „Frühe Falter“ in Kooperation mit dem → NABU-Landesverband Hessen um das Tagpfauenauge als sechste Spezies ergänzt. Im Frühling 2024 kam der C-Falter hinzu.

Ausführliche Porträts der Zielarten finden Sie → hier oder in der → Web-App.

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